Swiss Open Source Software Conference & Exposition

Artikel in der BZ

Tagung zu Freier Software: Der Bund setzt auf Bewährtes

München setzt auf Linux. Weshalb, erklärte Projektleiter Florian Schiessl. Der Bund jedoch sieht keinen Grund für einen Wechsel.

Mathias Born

«München hat einen pragmatischen Entscheid gefällt», betonte Florian Schiessl. «Wir wollten keine Polemik anzetteln, sondern suchten die beste Lösung für unsere Bedürfnisse.» Die Lösung, die der stellvertretende Technikleiter des Projekts Limux gestern an der Opensource-Tagung der Bundesverwaltung in Bern präsentiert hat, ist aussergewöhnlich: Als eine der ersten Stadtverwaltungen stellt München die Computer auf das Betriebssystem Linux um. Die Angestellten werden in Zukunft unter «Linux» statt Windows arbeiten, in Openoffice.org statt Microsoft Word schreiben, mit Firefox surfen und mit Thunderbird e-mailen – mit Programmen, die von jedermann mitentwickelt werden können und die kostenlos erhältlich sind.

Bis anhin liefen die Münchner Computer unter Windows NT 4. «Da Microsoft das System nicht mehr unterstützt, mussten wir Alternativen suchen», so Florian Schiessl. Nach der Evaluation lagen Windows XP und Linux fast gleichauf – in Bezug auf die Kosten wie auch auf die Handhabung. Politiker haben dann den Entscheid zugunsten von Linux gefällt. «Langfristig können wir uns so aus der Abhängigkeit von einzelnen Herstellern befreien», sagte Schiessl und erklärte, wie die Migration in München technisch und organisatorisch bewältigt wird. Sie wird jetzt umgesetzt; bis Ende Jahr sollen 500 der 14000 PC migriert sein.

«Bei uns gibts fast keine freie Software an Mitarbeiter-Arbeitsplätzen», schilderte Dieter Klemme vom Informatikstrategieorgan des Bundes den Status Quo im darauf folgenden Referat. Daran werde sich derzeit nichts ändern: Die Weichen für Windows Vista und Office 2007 seien gestellt. Selbst für die Zeit nach 2011 sei vorgespurt, «so lange wir mit der Software zufrieden sind». Die Verwaltung setze auf Bewährtes: «Der Steuerzahler will keine Experimente.» Auf Zentralrechnern hingegen werde oft freie Software eingesetzt, und bei neuen Anwendungen würden Alternativen geprüft.

Dass es auch in der Schweiz Projekte mit freier Software gibt, zeigten die folgenden Redner auf: So wechselt der Kanton Solothurn auf Linux. Und an den Volksschulen in Olten wird, unter Windows, das Star-Office eingesetzt. Darob enervierten sich einige Lehrer. An der Tagung hingegen schien man sich einig zu sein: Freie Software ist eine Alternative. Sie muss geprüft werden – im Einzelfall und ganz pragmatisch.

 

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