OpenExpo Bern 2008 mit neuem Publikumsrekord
Besucherzahl gegenüber der letzten Veranstaltung verdoppelt; grosses Interesse auch an der OSS-Tagung für die öffentliche Verwaltung im Rahmen der OpenExpo
Bern, 14. März 2008 – Die OpenExpo, die zweitägige Messe und Konferenz rund um Open Source Software (OSS) im Rahmen der Topsoft, entspricht offensichtlich einem Bedürfnis: über 1200 Personen haben die 54 Aussteller und 51 Fachreferate der bereits zum vierten Mal durchgeführten Veranstaltung besucht. Das sind mehr als doppelt so viele wie an der letzten Veranstaltung in Zürich. Der Mix von OSS-Projekten und kommerziellen Dienstleistern hat sich bewährt: Mit Themen von Ubuntu, OpenOffice.org, OpenMoko und OpenStreetMap bis hin zu Unternehmensapplikationen wie SugarCRM, SQL-Ledger, Typo3 oder Apache OFBiz hat die OpenExpo ein breites Publikum von Privatpersonen und Geschäftsleuten angesprochen. Veranstalterin ist die Swiss Open Systems User Group (/ch/open).
Interessierte Besucher, zufriedene Aussteller
Das grosse Interesse zeigte sich auch in den Fachreferaten, die in die Kategorien Business, Technology und Government unterteilt waren. Insbesondere Vorträge zu allgemeinen Themen wie Groupware oder die freie Handy-Softwareplattform OpenMoko waren ausgezeichnet besucht. Die Keynote von Alan Cox, der zu den wichtigsten Linux-Kernel-Entwicklern zählt und erstmals in der Schweiz auftrat, war komplett ausgebucht.
Auf grosses Interesse stiess auch das Angebot, in der Install Zone unter fachkundiger Anleitung Linux auf dem eigenen Rechner zu installieren. Rund 80 Frauen und Männern jeden Alters nahmen die Unterstützung in Anspruch und brachten die freiwilligen Helfer an die Grenzen ihrer Kapazität.
Open Source Software ist ein Bedürfnis – und ein Geschäft: Die kommerziellen Aussteller zeigten sich durchwegs zufrieden mit der Resonanz der Besucherinnen und Besucher. Es war augenscheinlich, dass kommerzielle Dienstleistung zu Freier Software einem Bedürfnis entspricht, die Stände waren durchgängig gut besucht.
OSS-Tagung für die öffentliche Verwaltung
Unter dem Motto «Einmal entwickeln, grenzenlos einsetzen» fand am 13. März die vierte OSS-Tagung für die öffentliche Verwaltung statt. Rund 150 Interessierte aus der Bundesverwaltung, den Kantonen und Gemeinden besuchten den Anlass, der im Rahmen der Open Expo 2008 in Bern als Government Track durchgeführt wurde. Organisiert hatte die Veranstaltung das Informatikstrategieorgan Bund (ISB) mit Unterstützung der Schweizer Informatikkonferenz (SIK), der Swiss Open Systems User Group (/ch/open) und der OSS-Community des Bundes.
Die OSS-Tagung zeigte mit Beiträgen von Behörden aus der Schweiz, Deutschland und der EU-Kommission den bereits realisierten Einsatz und das Potenzial von Anwendungen und Lösungen mit Open Source Software auf. Eröffnet wurde die Tagung vom Waadtländer Regierungsrat François Marthaler. Er wies in seinem Referat auf den Nutzen und die Nachhaltigkeit der OSS-Lösungen hin, die in seinem Einflussbereich eingesetzt werden.
Die Beiträge der Städte München und Freiburg im Breisgau, des Kantons Solothurn und des Schweizer Bundesgerichtes legten Vorteile und Widerstände bei der Einführung von OSS-Arbeitsplätzen offen. Um die Wirtschaftlichkeit von OSS an Arbeitsplätzen zu untersuchen, haben die Städte Bern, Biel, Luzern, St. Gallen und Winterthur bei der AWK Group eine Studie in Auftrag gegeben, deren Resultate in nächster Zeit erwartet werden. Bereits jetzt kann festgestellt werden, dass mit breiterem Einsatz von freien Fachanwendungen OSS-Arbeitsplätze mittelfristig günstiger werden als mit proprietärer Software. Ausschreibungen für Arbeitsplatzsysteme sollen produktneutral sein; dies fordert die EU. Dafür werden Benchmarks benötigt, welche für OSS-Systeme heute noch nicht existierten. Ein Projekt für das Aufsetzen eines solchen Benchmarks wurde vorgestellt.
Ein Bericht der EU-Kommission zeigte deutlich, dass ein Trend zur gemeinschaftlichen Produktion und Nutzung von Open Source Software über die Landesgrenzen hinweg besteht. Mit PloneGov präsentierte der gleichnamige Verein eine international ausgezeichnete Plattform für die elektronische Zusammenarbeit von öffentlichen Verwaltungen.
Eine spannende letzte Stunde ergab sich aus dem international besetzten Podium aus Wirtschaft und Verwaltung, u.a. die EU-Kommission, Microsoft, Kantonsregierung, IBM und die ETH Zürich. Das Podium diskutierte Erfolgsgeschichten und Hindernisse beim Einsatz von Open Source Software. Die hochkarätigen Fachleute zeigten auf, dass Open Source ein Mehrwert-Modell ist, das mit beschränkten Investitionen hohen Nutzen erzielen kann. Einigkeit herrschte über den Einsatz offener Standards, nicht aber über deren Implementation. Es wurde auch klar, dass politische, organisatorische und technische Voraussetzungen für einen breiten OSS-Einsatz bei Behörden noch zu verbessern sind. Die Podiumsteilnehmer plädierten in einer Vision für «die beste aller IT-Welten» für die IT-Unterstützung innovativer Verwaltungsprozesse zum Nutzen von Bürgern und Unternehmen. Gefordert wurde vor allem eine transparente und günstige Grundversorgung mit wenig Abhängigkeiten von Lieferanten auf der Basis von offenen Standards.
Die Tagung hat gezeigt, dass OSS auch bei Behörden immer mehr Fuss fasst. In der Schweiz sind die Kantone Solothurn und Waadt sowie das Bundesgericht Vorreiter. Es besteht aber noch viel Potenzial für eine flächendeckende professionelle Unterstützung bei Entwicklung und Wartung von OSS-Produkten und Lösungen durch die Wirtschaft. Die enormen Investitionen der Behörden in Entwicklung und Wartung ihrer Software sollen künftig über eine koordinierte OSS-Community von Behörden und Lieferanten gebündelt werden. Die Verwaltungsinnovation mit Hilfe von breit verfügbaren Open Source-Lösungen soll in geeigneter Weise in die Umsetzung der E-Government-Strategie Schweiz eingebracht werden. Unter dem Motto «Gemeinsam statt Einsam» können die Schweizer Behörden und ihre Partner dieses Potenzial erschliessen.
Nächste OpenExpo im Herbst
Die fünfte OpenExpo wird am 24./25. September 2008 in Zürch (Winterthur) stattfinden.
Kontakt OpenExpo:
Matthias Stürmer
matthias.stuermer@ch-open.ch
Tel. 076 368 81 65
/ch/open
Swiss Open Systems User Group
Postfach 2322
8033 Zürich
www.ch-open.ch
www.openexpo.c
Kontakt OSS-Tagung der Behörden:
Wolfgang Tietz
wolfgang.tietz@isb.admin.ch
Tel. 031 325 80 27
Eidgenössisches Finanzdepartement EFD Informatikstrategieorgan Bund
Architekturen, Standards, Technologien AST
Friedheimweg 14
3003 Bern























